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Dr.
Ulrich Hagendorf,
Dipl.-biol. Klaus Diehl
Umweltbundesamt, Dienstgebäude Langen, Paul-Ehrlich-Str. 29, 63225 Langen
Dr.
Irmgart Feuerpfeil,
Dipl. Biol. Anette Hummel
Umweltbundesamt, Dienstgebäude Bad Elster, Heinrich-Heine-Str. 12, 08645
Bad Elster
Dr.
Regine Szewzyk; Juan Lopéz-Pila
Umweltbundesamt, Dienstgebäude Corrensplatz, Corrensplatz 1, 14195 Berlin
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Langjährige Untersuchungen
bestätigen die grundsätzliche Eignung bestimmter naturnaher
Abwasserbehandlungsanlagen im Hinblick auf die Reinigungsleistung für
chemische Abwasserinhaltsstoffe. Für die umfassende Beurteilung des
seuchenhygienischen Risikos fehlten für Bewachsene Bodenfilter (Pflanzenkläranlagen)
Untersuchungen von im Abwasser auftretenden Krankheitserregern (fakultativ
pathogene Bakterien, Viren, Parasiten) und deren Verbleib. Unter Berücksichtigung
des gesundheitlichen Vorsorgegedankens sind solche Untersuchungen zwingend
geboten, da die Einleitung der Abläufe häufig auch in hydraulisch
leistungsschwache und ökologisch oder umwelthygienisch belastungsempfindliche
Vorfluter (Bachoberläufe), in stehende Gewässer einschließlich
Trinkwassertalsperren und Badegewässer oder die Versickerung in Boden
und Grundwasser erfolgt.
In einem von der Deutschen
Bundesstiftung Umwelt geförderten Verbundprojekt "Bewachsene
Bodenfilter als Verfahren der Biotechnologie" wurden im Zeitraum
von 1999 bis 2002 unter Praxisbedingungen mikrobiologische Untersuchungen
im Zu- und Ablauf von bewachsenen Bodenfiltern in den Anlagen Wiedersberg,
Ettenbüttel und See, die überwiegend mit häuslichem Abwasser
beschickt werden, durchgeführt. Die Anlagen unterschieden sich hinsichtlich
des Anlagenbetriebes (Standort, Vor- und Nachklärung, Bauform, Betriebsweise,
- hydraulische Verhältnisse und Belastung) und variabler Einflüsse
(Konzentration der Zulauf-werte, Niederschlagsverhältnisse, Abwassertemperatur).
- Anlage Wiedersberg:
Mehrkammergrube - Vertikal- und Horizontalfilter ("Hauptreinigung")
- Vorfluter
- Anlage Ettenbüttel:
2 hintereinander geschaltet Abwasserteiche - Vertikalfilter ("Nachreinigung")
- Vorfluter
- Anlage See:
Mehrkammergrube - 2 hintereinander geschaltete Horizontalfilter ("Hauptreinigung")
- Versickerung
Zur Untersuchung der
Eliminationsleistung wurden die in der Trinkwasserhygiene bewährten
Indikatoren Koloniezahl, E. coli, coliforme Bakterien, Enterokokken und
Coliphagen und als potentiell pathogene Mikroorganismen bzw. Krankheitserreger
Campylobacter/Arcobacter, Clostridium perfringens, Salmonellen, Yersinien,
enteropathogene E. coli (E. coli O 157), Cryptosporidien-Oozysten und
Giardien-Zysten bestimmt.
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Im
Folgenden werden einige Ergebnisse des Projektes vorgestellt. Eine ausführliche
Darstellung kann im Abschlussbericht, der in der Reihe WaBoLu-Hefte des
Umweltbundesamtes veröffentlicht wurde, nachgelesen werden (Bezugsquelle
siehe unten).
- Probenahmen
und Probenuntersuchung
- Die mikrobiologische
Fragestellung umfasste Abwasseruntersuchungen der Verbundanlagen
Wiedersberg (1701 Einzeluntersuchungen), Ettenbüttel (915 Einzeluntersuchungen)
und See (982 Einzeluntersuchungen).
- Vielfältige
in der Literatur erhobene Forderungen zu einem einheitlichen Studiendesign,
das auch statistisch verwertbare Aussagen ermöglicht, wurden mit
der untersuchten Probenanzahl weitgehend erfüllt.
- Mikrobiologische
Befunde und Eliminationen
- Die Konzentrationen
der Indikatororganismen und Krankheitserreger streuten
an den einzelnen Probenahmestellen der Anlagen um 2 bis 3 Zehnerpotenzen
um den Mittelwert. Die Schwankungen im Tagesgang betrugen dagegen 1
bis 2 Zehnerpotenzen.
- In den Zuläufen
der untersuchten Bodenfilter lagen die Konzentrationen im Mittel
für E. coli /coliforme Bakterien zwischen 106/100
ml und 107/100 ml, für die Enterokokken und Coliphagen
zwischen 105/100 ml und 106/100 ml. Die Mittelwerte
für Campylobacter/Arcobacter entsprachen denen der Enterokokken,
für Clostridium perfringens betrugen sie 103/100
ml bis 104/100 ml (Beispiel Anlage Wiedersberg Abb. 1, Abb.
2). Parasitendauerformen kamen in geringeren Konzentrationen vor. Sporadisch
traten Salmonellen und pathogene Biovare von Yersinia enterocolitica
auf, pathogene E. coli ( E. coli O157) wurden dagegen nicht nachgewiesen.

Abb. 1: Anlage Wiedersberg:, Konzentrationen von Indikatororganismen
(Mittelwerte)
nach verschiedenen Behandlungsstufen,

Abb. 2: Anlage
Wiedersberg: Konzentrationen von pathogene Mikroorganismen
(Mittelwerte) nach verschiedenen Behandlungsstufen
- Hohe Zulaufkonzentrationen
von 105/100 ml - 106/100 ml im ersten Bodenfilter
führten für E. coli, coliforme Bakterien, Enterokokken
und Campylobacter/Arcobacter bei gleichmäßigen Betriebsverhältnissen
zu hohen Eliminationsraten. Eliminationen konnten bei Zulaufkonzentrationen
< 3 Zehnerpotenzen nicht mehr festgestellt werden.
- Die Konzentrationen
der Indikatororganismen und Krankheitserreger streuten
in den einzelnen Probenahmestellen der Anlagen um 2 - 3 Zehnerpotenzen
um die Mittelwerte. Die Schwankungen im Tagesgang betrugen dagegen nur
1 - 2 Zehnerpotenzen.
- Die Elimination
für die Parameter E. coli, coliforme Bakterien, Enterokokken
und Campylobacter/Arcobacter betrug im Mittel 1,5 bis 2,5 Zehnerpotenzen
pro Bodenfilter, sie erreichte im Einzelfall auch bis zu 5 Zehnerpotenzen.
Für Giardien-Zysten, Cryptosporidien-Oozysten und
Clostridium perfringens ergaben sich bezüglich der Elimination
gleiche Tendenzen.
- Coliphagen
und Parasitendauerformen wurden in den Abläufen der Anlagen
nur in geringen Konzentrationen, Salmonellen und pathogene
Yersinien wurden nicht nachgewiesen.
- Insgesamt ist
festzustellen, dass die mikrobiologischen Eliminationsleistungen Bewachsener
Bodenfilter die aus klassischen Belebungsanlagen deutlich übertreffen.
- Mikrobiologische
Auswertungen zum Anlagenbetrieb
3.1 Meteorologische
(variable) Faktoren

Abb. 3: Anlage
Ettenbüttel, Vertikalfilter 1:Elimination von E. coli im Vergleich
zur hydraulischen
Belastung (opake Felder: Kolmation, hohe Zulaufkonzentration)
- Störungen
in der Betriebsführung (Verstopfung, Einfrieren von Zulaufeinrichtungen)
führen durch hydraulische Kurzschlüsse unter Umgehung der
Bodenfiltration bis zum Zusammenbruch der Eliminationsleistung.
- Im Regelbetrieb
(bei relativ gleichmässigen, sogenannten normalen Betriebsverhältnissen)
wurden bei mehrstufigen Anlagen die Anforderungen der Bewässerungswasser-,
Beregnungswasser- und EU-Badegewässerrichtlinie eingehalten, einstufigen
Anlagen gelingt dies nur teilweise.
- Anforderungen
an die mikrobiologische Überwachung
- Für mikrobiologische
Untersuchungen im Regelbetrieb empfiehlt sich zur Feststellung
der mikrobiologischen Belastung eine Mehrfachbeprobung an 1 bis 2 Tagen,
die für ausgewählte Sommer- und Wintertage repräsentativ
sind. Dabei sind im wesentlichen die Zu- und Abläufe der einzelnen
Bodenfilter zu untersuchen, um die Gesamtanlage in Hinblick auf das
mikrobiologische Eliminationspotential beurteilen zu können.
- Mikrobiologische
Untersuchungen bei differenzierten Betriebsverhältnissen
(u.a. Forschungsanlagen, modellhafte Untersuchungen) erfordern einen
wesentlich höheren, auf Messkampagnen ausgerichteten Probenahmerhythmus.
Es wird empfohlen, Mehrfachbeprobungen innerhalb eines 14tägigen
Untersuchungszyklus' vorzunehmen.
- Auf Grund des ähnlichen
Verhaltens der untersuchten Spezies im Hinblick auf die Eliminationen
können weitere mikrobiologische Untersuchungen auf wenige
Parameter (Indikatoren) ausgerichtet werden. Zur Leistungsbeurteilung
verschiedener Anlagenstufen kann ein Einzelparameter herangezogen werden.
Der Anlagenablauf ist mit den Parametern zu untersuchen, die für
eine nutzungsorientierte bakteriologisch-hygienische Einstufung erforderlich
sind. Zum seuchenhygienischen Unbedenklichkeitsnachweis besonders in
Badegewässern oder Trinkwassereinzugsgebieten sollten zusätzlich
die Anlagenabläufe auch auf Krankheitserreger untersucht werden.
- Als Überwachungsparameter
zur Beurteilung der mikrobiologischen Elimination der einzelnen Anlagenbauteile
wird der Parameter E. coli vorgeschlagen. Dies ist aus arbeitstechnischen
und finanziellen Erwägungen sinnvoll.
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